100 Jahre Route 66 – Und sie fühlt sich immer noch wie Aufbruch an

Es ist immer derselbe Moment.
Wir fahren mit dem Bus durch Arizona, zwischen Flagstaff und Kingman. Kurz bevor wir Seligman erreichen, greife ich zum Mikrofon.
„Willkommen auf der Route 66.”
Im Hintergrund läuft „(Get Your Kicks on) Route 66” von den Rolling Stones – und plötzlich zücken selbst die Coolsten im Bus ihr Handy.
Weil jeder spürt: Jetzt sind wir mitten in einer Geschichte.
Fast 4.000 Kilometer durch das Herz eines Landes, das gerade erst begann, sich neu zu erfinden.
Damals war ein Drittel der Strecke nicht einmal asphaltiert. Schotter, Staub, Holzplanken. Und trotzdem fuhren sie. Weil die Straße ein Versprechen war.
In den 1930er Jahren war sie Rettungsleine für Familien aus Oklahoma und Kansas. John Steinbeck nannte sie die „Mother Road”. Kein Marketingbegriff – sondern Realität.
Nach dem Krieg wurde sie Freiheit. Fenster runter, Radio an, einfach losfahren. 1946 schrieb Bobby Troup „(Get Your Kicks on) Route 66”. Und plötzlich war sie nicht nur Straße, sondern Mythos.
1985 wurde sie offiziell aus dem Highway-System gestrichen. Viele dachten: Das war’s.
War es nicht.
Seligman – wo die Route 66 nie aufgehört hat zu leben

Wenn wir in Seligman halten, ist das jedes Mal ein Höhepunkt.
Dort steht noch immer der Friseurladen von Angel Delgadillo. In den 1980er Jahren war es Angel, der sich weigerte, die Straße sterben zu lassen. Er gründete die Historic Route 66 Association of Arizona – und löste eine Bewegung aus, die bis heute wirkt.
Und das Schönste: Angel kommt immer noch ab und zu vorbei. Manchmal steht er plötzlich im Laden, begrüßt unsere Gäste, erzählt eine Geschichte. Der Shop wird inzwischen von seiner Familie geführt – und ich sage das ohne Übertreibung: Das sind wahrscheinlich einige der herzlichsten Menschen, denen man auf dieser Reise begegnet.
Egal wie oft wir dort stoppen – es fühlt sich nie nach Routine an.
Draußen stehen alte Pickups. Gegenüber leuchten Neon-Schilder. Und irgendwo zwischen all dem merkt man: Diese Straße lebt nicht von Asphalt. Sie lebt von Menschen.
2026 – 100 Jahre später
2026 wird die Route 66 hundert Jahre alt.
Ein ganzes Jahrhundert seit jenem 11. November 1926. Hundert Jahre Migration, Träume, Motels, Tankstellen, Diners, gescheiterte Existenzen und Neuanfänge.
Und sie ist immer noch da.
Nicht perfekt. Nicht geschniegelt. Nicht durchgehend befahrbar wie früher. Aber vielleicht gerade deshalb so ehrlich.
Wenn wir später wieder auf die Interstate auffahren, ist es kurz still im Bus. Jeder verarbeitet diesen Moment anders. Manche schauen aus dem Fenster in die Wüste. Andere scrollen durch ihre Fotos.
Und ich denke mir jedes Mal dasselbe:
Es gibt modernere Straßen. Schnellere. Bequemere.
Aber keine, die sich so sehr nach Aufbruch anfühlt wie die Route 66.
Hundert Jahre alt.
Und sie träumt immer noch.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Route 66?
Die Route 66 war rund 3.940 Kilometer (2.448 Meilen) lang und führte von Chicago nach Santa Monica durch acht Bundesstaaten. Durch spätere Streckenänderungen schwankte die genaue Länge im Lauf der Jahrzehnte leicht.
Warum heißt die Route 66 „Mother Road”?
Den Namen prägte der Schriftsteller John Steinbeck 1939 in seinem Roman „Früchte des Zorns”. Für die Familien, die während der Dust Bowl nach Westen flohen, war die Route 66 die Lebensader Richtung Kalifornien.
Kann man die Route 66 heute noch fahren?
Ja, aber nicht durchgehend auf der Originalstrecke. Große Teile verlaufen heute als „Historic Route 66” parallel zu den Interstates 55, 44 und 40. Viele Abschnitte sind ausgeschildert und lassen sich gut in Etappen fahren.
Wann wurde die Route 66 stillgelegt?
1985 wurde die Route 66 offiziell aus dem US-Highway-System gestrichen, nachdem die schnelleren Interstate-Highways sie Ort für Ort ersetzt hatten.
Was wird 2026 an der Route 66 gefeiert?
2026 jährt sich die Eröffnung von 1926 zum hundertsten Mal. Entlang der gesamten Strecke sind Veranstaltungen, Festivals und Sonderaktionen zum Jubiläum geplant.