Was die Gruppe zurückgibt
Wir sind um acht aus San Francisco raus, hinein in dieses graue Licht, das morgens über der Bay steht, bis die Sonne es irgendwo hinter Oakland wegbrennt. Kurz vor Mariposa war dann Schluss. Ein Truck hatte sich auf der 140 überschlagen, die Straße komplett dicht, kein Vorbeikommen, keine Umleitung, nichts. Wir haben gewartet, wir haben irgendwann gewendet, und wir sind über die 120 in den Park hinein, ein Umweg von Stunden. Am Eingang dann noch die Schlange, Motor aus, Motor an, Motor aus. Statt um eins standen wir kurz nach drei unten im Tal. El Capitan stand im harten Nachmittagslicht, grau, riesig und vollkommen gleichgültig gegenüber allem, was wir an diesem Tag hinter uns gebracht hatten.
Ich habe ins Mikrofon gesprochen. Ich habe von El Capitan erzählt, von den Kletterern, die tagelang in dieser Wand hängen und ihre Zelte an den Fels schnallen, um dort oben zu schlafen. Vom Half Dome und davon, wie dieses Tal entstanden ist. Von den Wasserfällen und davon, wie wenig im Spätsommer von ihnen übrig bleibt. Dann habe ich mich umgedreht und in den Bus geschaut. Ein paar Handys. Ein paar Blicke nach draußen. Ein höfliches Nicken. Und aus der vierten Reihe die Frage:
„Hat das Hotel heute Abend einen Pool?“
Ich will diese Frage nicht kleinreden, und ich will mich auch nicht über sie lustig machen. Eine Mutter mit zwei Teenagern, sieben Stunden Bus, sechsunddreißig Grad draußen, ein Tag, der aus Warten bestand. Die Frage nach dem Pool ist wahrscheinlich die vernünftigste Frage, die dieser Mensch an diesem Tag stellen konnte. Sie ist ehrlich, sie ist praktisch, und sie zeigt mir vor allem eines: Zwei Menschen haben denselben Tag völlig unterschiedlich erlebt. Ich stand vor einer Wand aus Granit und dachte an Eiszeiten. Sie saß seit dem Morgen in einem Bus und dachte an ihre Kinder.
Es gibt Gäste, für die das Unterwegssein selbst ein Teil der Reise ist, und andere, für die vor allem die einzelnen Ziele zählen. Die einen wollen wissen, warum eine Kleinstadt in Nevada aussieht, wie sie aussieht, was in einem Bundesstaat wirklich passiert ist, wie die Menschen hier leben, wählen, glauben oder streiten. Die anderen haben Urlaub gebucht, und der Bus ist das Mittel, mit dem der Urlaub von einem Ort zum nächsten kommt. Beides gibt es in jeder Saison, und beides ist völlig in Ordnung. Der Sommer bündelt nur häufiger die zweite Sorte, weil im Sommer die reisen, die im Sommer reisen müssen. Familien, Schulferien, ein Zeitfenster von zwei oder drei Wochen. Das ist keine Charakterfrage, das ist ein Kalender.
Was ich eigentlich erzählen will, kennt vermutlich jeder, dessen Arbeit mit Menschen zu tun hat. Man spürt, wenn etwas zurückkommt, und man spürt genauso, wenn wenig zurückkommt. Das ist im Klassenzimmer nicht anders als im Restaurant, in der Arztpraxis oder auf einer Bühne. Der Lehrer kurz vor den Ferien, die Kellnerin am Tisch, an dem niemand aufschaut, der Arzt, der dieselbe Erklärung zum vierten Mal an diesem Tag gibt, der Musiker vor einem Publikum, das noch nicht angekommen ist. Wir reagieren auf Resonanz, ob wir wollen oder nicht.
Ich kenne das an mir selbst. Ich merke, wie ich in solchen Momenten leiser werde, wie ich die kleine Geschichte weglasse, den Umweg, die Anekdote, die nichts mit dem Tagesprogramm zu tun hat und an die sich Menschen trotzdem noch Jahre später erinnern. Ich sage mir dann, sie wollen es gerade nicht hören. Das ist bequem, und es stimmt selten. Es ist nicht die Aufgabe der Gruppe, mich in Fahrt zu bringen. Das ist meine.
Denn Neugier ist meistens nicht die Voraussetzung für eine gute Reise. Sie ist das Ergebnis. Eine Gruppe, die am Morgen erschöpft wirkt, ist nicht automatisch desinteressiert. Vielleicht ist sie einfach müde, vielleicht beschäftigt sie etwas ganz anderes, vielleicht weiß sie noch gar nicht, welche Fragen sie stellen könnte. Es ist leicht, Stille mit Desinteresse zu verwechseln. Und wer wartet, bis das Interesse von selbst entsteht, wartet lange. Man muss es anbieten, immer wieder, auch an den Tagen, an denen es zunächst so aussieht, als käme nichts zurück.
Am nächsten Morgen habe ich genau das gemacht. Wir sind von Fresno aus hinauf in den Kings Canyon gefahren, und ich habe gleich nach dem Frühstück angefangen zu erzählen, obwohl niemand danach gefragt hatte. Davon nämlich, dass die großen Bäume dort oben das Feuer nicht nur überstehen, sondern brauchen. Dass ihre Rinde bis zu einem halben Meter dick wird, faserig und fast ohne Harz, und deshalb kaum brennt. Dass ihre Zapfen jahrelang geschlossen am Ast hängen und sich erst öffnen, wenn die Hitze sie austrocknet. Dass das Feuer den Waldboden freiräumt, damit die winzigen Samen überhaupt die Erde erreichen, und junge Tannen beseitigt, die den heranwachsenden Sequoias sonst Licht und Raum nehmen würden. Und dass wir Menschen den Sequoias über Jahrzehnte geschadet haben, gerade weil wir jedes Feuer sofort gelöscht haben.
Zwanzig Minuten lang passierte nichts. Dann standen oben im Hain plötzlich drei Gäste neben mir und wollten wissen, wie oft es hier brennt, ob man das heute mit Absicht macht und woran man einem Baum ansieht, dass er schon einmal gebrannt hat. Wir sind länger geblieben als geplant. Der Bus war deshalb kein anderer Bus.
Aber der Raum hatte sich verändert.